Thomas Sautner : Fremdes Land
Sautner, Thomas:
Fremdes Land : Roman / Thomas Sautner – 1. Aufl. – Berlin : Aufbau-Verl., 2010. – 250 S.
ISBN 978-3-351-03324-8
fest geb. : EUR 20,60
Als Mike Forell zum neuen Präsident des Landes gewählt wird, gelangt auch sein treuer Wegbegleiter und folgsamer Parteifreund Jack Blind als neuer Stabschef auf der Karriereleiter nach oben. Schon bald merken beide jedoch, dass die wahre Staatsmacht in anderen Händen liegt. Um die wachsende Anzahl an terroristischen Anschlägen im Land eindämmen und dabei die Sicherheitsvorkehrungen noch weiter erhöhen zu können, müssen sie sich mit diesen mächtigen Hintermännern verbünden. Zusätzlich taucht neben den Moslems auch noch eine weitere Terroristengruppe mit Namen “LB” auf, deren Ziel es ist, die Bevölkerung zu freiem Denken anzuregen und damit gegen die Regierung aufzubringen. Doch wie soll man dieser Gefahr am besten begegnen? Und was haben diese Terroristen mit Jack Blind zu tun?
Thomas Sautner legt mit “Fremdes Land” einen Roman vor, dessen Handlung in der (nahen?) Zukunft spielt und aufgrund des gewählten Motivs stark an Orwells “1984″ und auch ein wenig Huxleys “Schöne neue Welt” erinnern lässt. Im Mittelpunkt steht hier bei Sautner die Frage, wie weit die Masse dazu bereit ist, auf ihre individuelle Freiheit zu Gunsten einer erhöhten Sicherheit zu verzichten. Hintergründig taucht jedoch eine weitere – weit interessantere – Frage auf. Wer ist es eigentlich, gegen den die Bevölkerung zu schützen ist? Sind das wirklich die Terroristen, wie es die Regierung vorgibt? Oder handelt es sich bei der Regierung selbst vielmehr um eine “Gedankendiktatur”?
Der in etwa 250 Seiten starke Roman liest sich dank Sautners leichtem Schreibstiel und der leider nicht allzu tief gehende Handlung sehr flott und flüssig. Obwohl viele der hier verpackten Ideen – wie etwa die allgegenwärtigen Feel Good Pillen – schon ein wenig bekannt vorkommen, wirkt dieser Roman gerade aufgrund des beim Lesen unweigerlich durchgeführten Vergleichs mit unseren aktuellen politischen Zuständen. Vielfach stellt sich dann für den Leser die Frage, ob es sich bei dem ein oder anderen Punkt wirklich noch um Fiktion handelt, oder ob wir da nicht doch schon längst in der Gegenwart angelangt sind.
Freunde fiktionaler Literatur sowie gesellschaftspolitisch interessierte Leser werden bei Sautners “Fremdes Land” sicher auf ihre Kosten kommen.