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Erich Hackl : Abschied von Sidonie

Hackl, Erich:
Abschied von Sidonie : Erzählung / Erich Hackl – Zürich : Diogenes, 1989. – 127 S.

ISBN 3-257-01824-X
fest geb. : ca. EUR 7,00

In den wirtschaftlich schwierigen Anfangsjahren der 30er-Jahre wird eines Nachts ein Kleinkind namens Sidonie an der Pforte des Krankenhauses in Steyr ausgesetzt. Nachdem die Nachforschung des Magistrats nach der Mutter vorerst ergebnislos verläuft, kommt Sidonie zur Pflegefamilie Breirather, die sich aufopfernd um die Kleine kümmert. DIe Zeiten für die Familie Breirather wird leider immer schwieriger, da der Familienvater Hans aktiver Sozialdemokrat und Schutzbündler ist und nach den Schlachten mit der Heimwehr in Arrest kommt.
Der Familie gelingt es dennoch, sich in diesen harten Zeiten durchzuschlagen und sich über Wasser zu halten. Nach dem Anschluss an Deutschland wird die Abstammung der kleinen Sidonie immer mehr zum Thema, da sie ihre schwarze Haut als “Zigeunerin” auszeichnet. Trotz der verzweifelten Interventionsversucht der Familie erhalten sie eines Tages den Bescheid, dass die angebliche Mutter der Sidonie ausfindig gemacht wurde und sie dieser zugeführt werden soll.
Hinter dieser angeblichen Zusammenführung von Mutter und Tochter steht letzten Endes jedoch ein Deportationszug in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wo Sidonie wenige Wochen später ums Leben kommt.

Erich Hackls “Abschied von Sidonie” erzählt uns das traurige Schicksal eines kleinen Mädchens, das nur aufgrund seiner Abstammung in die tödlichen Fänge des Nationalsozialismus gerät. Ähnlich wie das Tagebuch der Anne Frank zählt auch dieser Schicksalsroman zu den Klassikern zum Thema Nationalsozialismus, um den man als Schüler – zu recht – nur schwer herum kommt.
Hackl lässt in seinem Werk einen nicht näher genannten Chronisten die Geschichte in knappen, ungeschmückten und scheinbar emotionslosen Sätzen erzählen. Trotz oder vielleicht auch wegen dieser erzählerischen Distanz entwickelt sich mit fortlaufender Geschichte eine ungeheure Emotion, die den Leser in ihren Bann zieht. Die Emotion mag vielleicht auch daher rühren, dass man sich als Leser bewusst ist, dass Hackl hier nur ein exemplarisches Schicksal herausgreift und es noch viele weitere Kinder gegeben hat, denen leider ein ähnliches Schicksal zu Teil wurde.
Eine klare Empfehlung für Liebhaber von authentischen Erzählungen und Schicksalsromanen.

Da der “Abschied von Sidonie” nicht nur zu den Klassikern österreichischer Literatur zählt, sondern auch von Schülern immer wieder gelesen wird, sollte dieses Werk in keiner Bücherei fehlen.