Barbara Frischmuth : Die Klosterschule
Frischmuth, Barbara:
¬Die¬ Klosterschule : Roman / Barbara Frischmuth – 3. Aufl. – Wien [u.a.] : Residenz Verl., 1980. – 94 S.
ISBN 3-7017-0192-X
fest geb. : ca. € 12,00
In 14 nicht zusammen
hängenden Kapiteln lässt uns die Ich-Erzählerin anhand ihrer subjektiven Eindrücken und Erfahrungen an ihrem Leben in einer Klosterschule teilhaben. In jedem dieser Kapitel wird dabei jeweils ein Aspekt der dort angewendeten Erziehungsmethoden sowie des Schulalltags – angefangen vom morgendlichen Gebet , über Unaufmerksamkeiten im Unterricht, bis hin zu verbotenen Liebesspielen unter den Schülerinnen – näher beleuchtet. Allen Kapiteln gemein ist der Versuch der leitenden Schwestern, ihren Schützlingen jede Art Individualität und Selbstbestimmung auszutreiben und sie so zu tugendhaften, pflichtbewussten und gottesfürchtigen jungen Damen heran zu ziehen.
Mit diesem 1968 erstmals erschienenen Roman mit sehr starken autobiographischen Zügen erregte Barbara Frischmuth zum ersten mal größeres literarisches Aufsehen. Grundthema dieser mit rund 90 Seiten doch sehr kurzen Erzählung ist starke Beschneidung der individuellen Freiheit der Schülerinnen zu Gunsten eines ausgeprägten Pflichtbewusstseins und falsch verstandenen Gottesfürchtigkeit durch die strikten kirchlichen Erziehungsmethoden der Ordensschwestern.
Obwohl die Sprache Frischmuths durchtränkt ist mit Zitaten aus der Bibel und anderen christlichen Schriften, wirkt sie dazwischen doch dem Alter der Ich-Erzählerin entsprechend sehr einfach und geradlinig.
Trotz des sehr spannenden Themas wirkt der Roman in einigen Passagen etwas langatmig und ohne tatsächliche Handlung. Nichts desto trotz vermittelt er eine gute Vorstellung von der klösterlichen Erziehungspraxis und der damit verbundenen Einschränkung der individuellen Entfaltung der Schülerinnen.
Aufgrund der Bekanntheit der Autorin und der Wichtigkeit dieses Romans unter ihren anderen Werken sollte dieses Buch in keiner Bibliothek mittlerer Größe fehlen.