In den letzten öffentlichen Bibliotheken, die ich mir ein wenig angesehen habe, war immer wieder ein Phänomen zu beobachten. Viele Bibliothekare scheinen mehr oder weniger große Probleme zu haben, Bücher aus ihrem Bestand auszuscheiden, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Bei zerschlissenen Büchern liegt der Fall meist schon klarer, aber auch da ist die Hemmschwelle noch sehr groß.
Klar, bei jedem einzelnen Band hängt eine Portion gemeinsamer Vergangenheit dran. Für jedes Buch hat man in etwa 10 Minuten geopfert, um es liebevoll zu folieren, zu katalogisieren und schön im Regal zu präsentieren. Trotzdem geht auch die schönste gemeinsame Zeit dem Ende zu. Wer möchte in einer öffentlichen Bibliothek auch schon Schmöker von vor 30 Jahren ausborgen?
Durch dieses Sammeln ist dann nämlich meist auch so wenig Platz vorhanden, dass die neuen Bücher nur sehr schlecht präsentiert werden können. Und auch der Leser hat bei dieser ungünstigen Paarung schnell das Gefühl, in einer schon etwas verstaubten Bibliothek zu sein.
Also keine Scheu davor, immer wieder einmal durch den Bestand zu gehen und Bücher, die bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben, auszuscheiden (und da sind 20 Jahre schon sehr viel). Dabei muss man natürlich beachten, dass Sachbüchern schon nach viel kürzerer Zeit veraltet sind und makuliert werden müssen. Kinderbücher, die vor der neuen Rechtschreibreform gedruckt wurden, sind ebenfalls heiße Kandidaten für das Aussortieren.
Aber nun die Gretchenfrage…wohin mit den ganzen Büchern, die man ausgeschieden hat? Klar, man kann es mit Bücherflohmärkten versuchen, wird dabei aber auch nur max. 10% an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können. Im schlimmsten Fall wird man wohl den Schritt zum Altpapiercontainer machen müssen. Keine Angst, nach den ersten kleinen Stichen wird der Abschiedsschmerz nachlassen…