Robert Menasse: Don Juan de la Mancha
Menasse, Robert:
Don Juan de la Mancha oder die Erziehung der Lust : Roman / Robert Menasse – Frankfurt a. M. : Suhrkamp, 2007. – 273 S.
ISBN 978-3-518-41910-6
fest geb. : EUR 19,40
Nathan, der Ich-Erzähler und Chefredakteur des „Leben“-Ressorts eines Hochglanzmagazins, begibt sich auf Anraten seiner Therapeutin Hannah in Form einer Reportage auf die Reise durch die verschiedensten Stationen seines vergangenen Lebens, immer auf der Suche nach der wahren Lust, die für ihn mehr bedeutet als bloße sexuelle Befriedigung. Die zahlreichen Liebschaften, die Nathan schnell alle sexuellen Spielarten der Liebe beibringen und ihn so zu einer Art Don Juan werden lassen, der in jeder Frau etwas Gutes sieht, illustrieren aber auch seinen verzweifelten Kampf um die Entdeckung der höchsten Empfindung, der Nathan wiederum Don Quixote de la Mancha ähneln lässt.
Der vielfach ausgezeichnete und auch für seine kritischen Texte bekannte österreichische Autor Robert Menasse legt mit seiner modernen Fassung eines Don Juan eine Art Spät-68er-Heldenepos vor, das den Leser auf ironische und pointierte Weise durch die Epochen der 68er-Generation, der studentischen freien Liebe, der Öko-Bewegung und der Emanzipation führt.
Menasses kurzweilige, intelligente und durchaus auch witzige Erzählweise lässt den Leser rasch in seiner durch diverse Exkurse und Zeitwechsel angereicherte n Geschichte versinken. Lediglich die bei direkten Reden fehlenden Anführungszeichen können den Lesefluss hie und da kurz unterbrechen.
Dem Lesevergnügen tut dies trotzdem keinen nennenswerten Abbruch, sodass sich dieser Roman für alle Freunde österreichischer Literatur empfehlen lässt.